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Brustkrebs Bestrahlung


Jährlich lassen sich bei uns bis zu fünf Millionen Frauen mammographieren. Fatal dabei ist, dass dies nicht nach den Richtlinien geschieht, die von der EU erlassen wurden. Die Folge: ein wildes, unkontrolliertes Screening und eine hohe Zahl falscher Befunde. Um die Vorsorge zu verbessern, wurde nun das so genannte Mammographie-Screening eingeführt werden, eine flächendeckende Reihenuntersuchung an gesunden Frauen zwischen 50 und 70 Jahren.

Das Strahlenrisiko

Die geplante Einführung der Reihenuntersuchungen wirft die Frage nach dem Strahlenrisiko durch die Mammographie auf. Nach neuesten Ergebnissen von Prof. Dieter Frankenberg, Strahlenbiologe an der Universität Göttingen, ist das Strahlenrisiko von Mammographien wohl doch höher als bisher angenommen. Für Frauen, die familiär vorbelastet sind, ist die Mammographie seiner Ansicht nach deshalb nicht geeignet. Sie sollten auf andere Untersuchungen ausweichen.

Für welche Frauen könnten Mammographien evtl. gefährlich werden? Sollten Sie überhaupt an einem Mammographie-Screening teilnehmen?

Da die Strahlenbelastung bei einer Mammographie gering ist, kann davon ausgegangen werden, dass das Strahlenkrebsrisiko für Frauen, die für Brustkrebs nicht familiär prädisponiert sind, tolerabel bleibt. Dagegen sind für Frauen, die für Brustkrebs familiär disponiert sind, diese Überlegungen aller Voraussicht nach nicht gültig.

Zurzeit ist es nicht möglich, das erhöhte Strahlenkrebsrisiko von familiär prädisponierten Frauen genau anzugeben. Die Abschätzungen liegen zwischen 10 und 100.

Nimmt man einen mittleren Wert von 30 an, so ergibt sich für diese Frauen bei der Mammographie ein etwa 210-fach erhöhtes Strahlenkrebsrisiko gegenüber dem zur Zeit angenommenen Risiko. Frauen mit einer familiären Prädisposition für Brustkrebs ist zu empfehlen, die Brustkrebsdiagnostik mittels Kernspinresonanz oder Ultraschall jeweils in Kombination mit Kontrastmitteln durchführen zu lassen.

Diese Methoden sind darüber hinaus besonders bei Frauen unter 50 Jahren wesentlich treffsicherer als die Mammographie mit Röntgenstrahlen. Bei jüngeren Frauen ist das Brustgewebe dichter und die Diagnostik deshalb von vornherein schwieriger.

Wie kann man eine derartige Prädisposition zuverlässig feststellen?

Es ist heute möglich, mit molekulargenetischen Methoden eine familiäre Prädisposition für Brustkrebs zuverlässig festzustellen. Allerdings sind die Kapazitäten für solche Untersuchungen bei weitem nicht ausreichend. Die Häufung von Brust- und Eierstockkrebs in der Familie (Großeltern, Eltern, Tanten, Geschwister) weist daraufhin, dass eine familiäre Prädisposition für Brustkrebs sehr wahrscheinlich ist. Diesbezügliche familiäre Recherchen können somit sehr hilfreich sein.

Laut der Deutschen Krebshilfe haben in Deutschland ca. 5 % der am Mammakarzinom erkrankten Frauen einen familiären, also genetisch bedingten Brustkrebs. Pro Jahr sind in der Bundesrepublik also 2000 bis 2500 Frauen betroffen. Zur Erkennung des familiär bedingten Brustkrebses gibt es 12 von der Deutschen Krebshilfe finanzierte Zentren.

In diesen Zentren können genetische Tests durchgeführt werden. Beim Nachweis einer familiären Prädisposition für Brustkrebs greifen spezielle Vorsorgestrategien, die bei jungen Frauen mit einem hochauflösenden Ultraschall beginnen. Zusätzlich wird die Magnetresonanztomographie (Kernspin) zum Einsatz gebracht und auf die Mammographie sollte verzichtet werden.

Streitfall Mammographie-Screening

Es ist nicht einfach, das zunächst als Modellversuch geplante Mammographie-Screening zu beurteilen. Denn die Meinungen der Fachgesellschaften darüber könnten unterschiedlicher kaum sein. Ob überhaupt ein Mammographie-Screening stattfinden soll, oder wenn ja, in welcher Form, das sind die Kernfragen, um die gestritten wird.

Die Befürworter

Die Mehrheit der Fachleute befürworten zumindest bei 50 bis 70-jährigen Frauen ein Mammographie-Screening. Auf Veranlassung des Bundesgesundheitsministeriums, der Krankenkassen und der kassenärztlichen Bundesvereinigung wurden deshalb nun in dafür speziell errichteten Mammazentren in Bremen, Wiesbaden und Weser an der Ems drei Modellprojekte zum Mammographie-Screening ins Leben gerufen. In einigen Jahren soll so beantwortet werden, ob sich eine Röntgen-Reihenuntersuchung der Brust in die dezentralen Strukturen des deutschen Gesundheitswesens einpassen lässt.

"Eine qualitätsgesicherte Mammographie ist das Beste, was man diesen Frauen zur Risikoverminderung anbieten kann", sagt Dr. Hans Junkermann, Leiter des Bremer Modellprojekts zum Brustkrebs-Screening. Und weiter: "Ein Screening-Programm lohnt sich nur dann, wenn es tatsächlich die Brustkrebssterblichkeit verringert." Dass dem so ist, folgert man aus internationalen Studien, die in den USA, Großbritannien und vor allem in Schweden durchgeführt worden sind. Demnach lässt sich im Zuge einer derartigen Reihenuntersuchung der Brust die Sterblichkeit bei Brustkrebs um 25 bis 30 % senken.

Die Befürworter sind sich einig, dass ein solches Programm nur dann sinnvoll ist, wenn die Qualität der Untersuchung gesichert ist. Ansonsten, auch darin stimmt man überein, bedeutet die Mammographie-Reihenuntersuchung eher eine Gefährdung für die Frauen, da sie sich durch eine hohe Zahl von Falschbefundungen am Ende zu Unrecht in Sicherheit wiegen oder in die Mühlen weiterer sinnloser Diagnostik geraten, die im schlimmsten Fall zu einer Abnahme der gesunden Brust führen kann.

So geschehen im Essener Brustkrebs-Skandal: Der Pathologe Kemnitz hatte in den 90er Jahren reihenweise nicht vorhandene Mammakarzinome "entdeckt". Dass dies am Ende bei 300 gesunden Frauen zur Brustamputation führte, ist allerdings nicht zuletzt den Radiologen anzulasten. Denn Ursache für die Gewebeentnahme war immer eine vermeintlich positive Mammographie, über die es dann zu einer Kette weiterer diagnostischer Schritte kam.

Die Kritiker der Mammographie-Reihenuntersuchung

Stark umstritten ist jedoch, ob das Mammographie-Screening die Sterblichkeitsrate bei Brustkrebs wirklich um die in Studien vorgelegten Zahlen senkt. Dabei untersuchte man die Zahlen, nach denen im Verlauf von zehn Jahren in einer Gruppe von 1000 Frauen, die alle zwei Jahre geröntgt werden, statt vier nur noch drei an Brustkrebs sterben.

So behaupten die Wissenschaftler Goce und Ohlsen aus dem renommierten Nordic-Cochrane-Center in Dänemark, dass die Studien, die einen Rückgang der so errechneten Todesrate um 20 bis 30 % vorweisen, nicht korrekt durchgeführt worden seien.

Sie hatten alle acht wichtigen Basisstudien untersucht. Bei sechs der acht Studien fanden sie Beweise dafür, dass die Studien den Nutzen der Mammographie möglicherweise überschätzten. Und in den beiden Studien, die nach Angaben der Dänen verlässlich sind, gab das Mammographie-Screening keinen Überlebensvorteil.

Fazit:

Eines kann festgehalten werden: Je höher die Qualität eines Brustkrebsfrüherkennungsprogramms und damit auch der Mammographie, desto aussagekräftiger ist die Mammographie. Ideale Alternativen scheint es noch nicht zu geben. Die Frage ist nur, ob die Mammographie wirklich die tödlichen Knoten erkennt. So muss sich leider jede Patientin umfassend informieren und ihr eigenes Urteil bilden. Der Streit unter den Wissenschaftlern hilft dabei allerdings nur wenig. Wünschenswert wäre, wenn die Kraft und Energie weniger in den Streit als in die Forschung investiert würden.