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Brustkrebs erkennen


Zur Selbstuntersuchung der Brust lesen Sie Anleitung zur Selbstuntersuchung der Deutschen Krebshilfe

Ein Knoten in der Brust - Was nun?

Jede Diagnostik beginnt mit einer Anamnese. Das ist die persönliche Vorgeschichte einer Patientin. Dabei fragt die Ärztin, ob in der Familie schon einmal Krebs aufgetreten ist, ob die Frau Kinder hat und wann die erste Periode eintrat. Nach diesem Gespräch folgt der Tastbefund, dann eine Ultraschaltuntersuchung und möglicherweise eine Mammographie. Gegebenenfalls schließen sich verschiedene Gewebeproben an, die so genannten Biopsien.

An welcher Stelle kommt Brustkrebs am häufigsten vor? Welche Symptome hat Brustkrebs? Denkt man sich ein Kreuz mit der Brustwarze als Zentrum, so kann man eine Einteilung in vier Quadranten vornehmen. Besonders häufig, nämlich in 55 % der Fälle, tritt Krebs im oberen äußeren Quadrant, also jeweils auf der Seite der Achseln auf. Im diesem Bereich liegt der größte Teil der Brustdrüse. Sie besteht aus Milchgängen und Drüsenläppchen. In über 80 % beginnt der Krebs in den Milchgängen, in 12 % befällt er zuerst die Drüsenläppchen. Besonders selten, lediglich in 5 % der Fälle, ist ein bösartiger Tumor im unteren inneren Quadranten zu finden.

1. Der Tastbefund

Nach der Anamnese tastet die Arztin die Brüste, die Achselhöhlen und die Schlüsselbeingrube ab. Viele Frauen erfühlen einen Knoten auch selbst: Versierte Gynäkologen können schon mit Hilfe des Tastbefundes erkennen, ob der Knoten wahrscheinlich bös- oder gutartig ist. Die meisten getasteten Tumoren sind kein Anzeichen für Krebs. Auch ein Tumor kann gutartig sein. Der Begriff steht lediglich für eine Gewebevergrößerung. Nur ein bösartiger Tumor bedeutet Krebs, ein gutartiger wird Knoten oder Geschwulst genannt. Zysten, Lipome und Fibroadenome sind gutartige Brustveränderungen.

Zysten sind gutartige, mit Flüssigkeit gefüllte Drüsengewebe. Meist haben sie eine runde oder ovale Form. Eine Zyste lässt sich bewegen, kann über Nacht entstehen und schnell die Größe verändern. Sie kann schmerzhaft sein. Mit einer Nadel lässt sie sich absaugen. Selten bekommen Frauen in jungen Jahren oder nach den Wechseljahren Zysten, häufiger Frauen zu Beginn der Wechseljahre oder im Alter von 30 bis 50 Jahren.

Fibroadenome sind eine Wucherung des Bindegewebes, die in alten Größen vorkommt. Ein Fibroadenom ist vom übrigen Gewebe klar zu unterscheiden. Auch durch eine Feinnadelpunktion oder eine Stanzbiopsie lässt sich ein Fibroadenom nachweisen. Seltene Formen können auf ein erhöhtes Krebsrisiko hindeuten. Das ist vergleichbar mit dem Risiko, wenn in der Familie bereits Krebs aufgetreten ist. Die Gewebeveränderung kann, muss aber nicht operativ entfernt werden.

Lipome sind gutartige Tumoren des Fettgewebes, die selten schmerzhaft sind. Lipome liegen meist dicht unter der Haut, sie sind etwa ab der Größe einer Linse tastbar.

2. Die Mammographie

Die wichtigste Untersuchung bei einem Verdacht auf Brustkrebs ist die Mammographie. Sie liefert ein Röntgenbild der Brust, das man Mammogramm nennt. Bei der Mammographie wird die Brust auf die Metallplatte eines Röntgenfilmtisches gelegt und von oben mit einer Kompressionsplatte zusammengedrückt. Je flacher die Brust zusammengedrückt wird, umso besser sind die Ergebnisse. Das Zusammenpressen der Brüste kann schmerzhaft sein. Allerdings dauert das Verfahren nur wenige Sekunden. Das Röntgenbild wird im Stehen angefertigt. Meist werden zwei - gelegentlich auch mehr - Bilder erstellt, eines von oben und eines schräg von der Seite. Die Mammographie bildet die Dichte des Gewebes ab. Je dichter das Gewebe, umso heller wird es dargestellt.

Was kann die Mammographie?

Das bildgebende Verfahren gibt Auskunft über die Beschaffenheit der Brust im Allgemeinen. Zudem macht es bei einem Knoten deutlich, wie weit er ausgedehnt ist. Sichtbar wird auch, ob es einen oder mehrere Herde gibt und wie groß sie sind. So können erfahrene Arzte bereits auf dem Röntgenbild sehen, ob eine Veränderung bös- oder gutartig ist. Die Mammographie lässt auch nicht tastbare Knoten erkennen. Denn sie zeigt Veränderungen ab einer Größe von 0,1 mm Durchmesser. Daneben erkennt man auf dem Mammogramm MikroVerkalkungen, die ein Zeichen für Krebs oder eine Vorstufe von Krebs sein können. Sie erscheinen auf dem Röntgenbild als relativ kleine, helle Flecken. Aber nicht jede MikroVerkalkung muss Krebs bedeuten. Es gibt auch viele gutartige MikroVerkalkungen in der Brust. Bei einem bösartigen Tumor sehen die MikroVerkalkungen gezackt oder unregelmäßig aus und sind häufig am Rand ausgefranst. Sie treten in Gruppen auf und haben ganz unterschiedliche Formen. Ist auf dem Mammogramm auffälliges Gewebe mit einer glatten, runden und scharf begrenzten Struktur zu sehen, so ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es sich um eine harmlose Zyste oder ein Fibroadenom handelt.

Entscheidend ist die Erfahrung der Ärzte

Da für die Auswertung eines Mammogramms viel Erfahrung notwendig ist, sollten Frauen sicher gehen, dass sie von erfahrenen Radiologen diagnostiziert werden, die auf diese Untersuchung spezialisiert sind. Kann ein Bild nicht eindeutig interpretiert werden, sollten die Frauen mit dem Befund zu einem zweiten Spezialisten gehen. Diese Doppelbefundung wird von einigen Experten als obligatorische Maßnahme gefordert.

Digitale Mammographien mit geringerer Bestrahlung

An einigen wenigen Brustkrebszentren gibt es digitale Mammographiegeräte. Sie stellen besonders dichtes Gewebe, wie es beispielsweise junge Frauen besitzen, präzise dar. Die Bilder sind schnell fertig und per Datenleitung leicht übertragbar. So können sie umgehend in einem weiteren Institut begutachtet werden. Die in Deutschland eingesetzten Geräte, die eine ganze Brust abbilden können, stellen zwar kleine Befunde weniger präzise dar als die Mammographie, die auf Röntgenbildern basiert, andererseits gleichen sie das mit einer höheren Kontrastauflösung wieder aus. Der Nachweis von Mikrokalk gelingt mit dem digitalen Verfahren mindestens genauso gut wie mit dem herkömmlichen, wenn nicht sogar besser. Einige Experten sind sich sicher, dass die digitale Mammographie die Methode der Zukunft ist. Derzeit wird dieses Verfahren noch erprobt. Die Anschaffungskosten sind sehr hoch, denn die Methode verlangt einen Computer mit viel Speicherplatz. Digitale Mammographiegeräte stehen vornehmlich in einigen wenigen, großen Mammazentren wie beispielsweise der Berliner Charite.

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3. Die Ultraschalluntersuchung

Die wichtigste Ergänzung zur Mammographie ist die Sonographie. Die Ultraschalluntersuchung ist ein dynamisches Verfahren. Im Gegensatz zur Mammographie liefert sie also nicht nur ein Bild, sondern mehrere - je nach Bewegung des Ultraschallkopfes. So können die Ärzte sehen, ob das verdächtige Gewebe nachgibt und wie es sich bewegen lässt. Zudem kann die Sonographie zeigen, ob eine harmlose Zyste oder ein bösartiger Gewebeknoten vorliegt. Zysten und Fibroadenome sind im Ultraschall glatt begrenzt und lassen sich komprimieren. Karzinome sind unregelmäßig begrenzt, inhomogen und nicht komprimierbar. Allerdings treffen diese Kriterien nicht immer zu, sodass weitere Untersuchungen nötig sein können. Die Sonographie ersetzt im Gegensatz zur Mammographie das Röntgenbild aber nicht, da sie MikroVerkalkungen nicht erkennen kann. Anders als bei der Mammographie besteht bei der Ultraschalluntersuchung kein Strahlungsrisiko. Die eingesetzten Schallwellen gelten als völlig ungefährlich. Die Untersuchung ist schmerzlos. Damit der Schallkopf besser auf der Haut gleiten kann, wird er mit einem Gel bestrichen.

4. Die Biopsien

Letztendliche Gewissheit, ob ein Knoten bös- oder gutartig ist, verschaffen nur Biopsien. Das sind Gewebeproben, die in pathologischen Instituten von Histologen oder Zytologen untersucht werden - also von Ärzten, die sich auf dieses Gebiet spezialisiert haben.

Histologie ist die Untersuchung von Gewebe, Zytologie die von einzelnen Zellen:

Mit Hilfe der Biopsien kann man erkennen, um welchen Krebs es sich handelt, wie groß und wie bösartig er ist. Es gibt Biopsien, die mit hohlen Nadeln oder - heute seltener -, die operativ durchgeführt werden.

Besonders wenn verdächtige Stellen von außen nicht tastbar sind, sollten Biopsien so durchgeführt werden, dass die Ärzte sehen können, ob sie das Zielgebiet auch treffen. Das geht mit Hilfe der bereits genannten bildgebenden Verfahren, also während einer Sonographie oder Mammographie. Zuweilen geäußerte Befürchtungen, Biopsien könnten Tumorzellen verschleppen, werden in der Fachliteratur und von Experten überwiegend als unbegründet eingestuft.

4.1. Die Feinnadelbiopsie

Zu den Biopsien gehört auch die Feinnadelbiopsie. Ergeben Sonographie und Mammographie einen Krebsverdacht, kann die Feinnadelbiopsie die Diagnose bestätigen. Sie wird unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Eine dünne Hohlnadel wird gezielt in den Knoten gestochen. Dann werden damit einzelne Zellen angesogen und entnommen. Das geschieht mehrmals und aus verschiedenen Richtungen. Der Eingriff ist für die Patientin relativ schonend. Die entnommene Zellprobe geht anschließend ins Labor, das Testergebnis liegt in ein paar Stunden oder am nächsten Tag vor.

Die Grenzen der Feinnadelbiopsie

Sicher ist das Ergebnis der Feinnadelbiopsie nur, wenn es "positiv" ist, also bösartige Zellen nachweist. Liefert das Verfahren allerdings ein "negatives" Ergebnis, kann die Patientin trotzdem an Krebs erkrankt sein. Das liegt daran, dass die Feinnadelbiopsie bösartiges Gewebe möglicherweise nicht erwischt, obwohl es vorhanden ist. Denn die Ärzte können mit der dünnen Nadel nur einzelne Zellen, also wenig Material, entnehmen. Ein bösartiger Tumor ist häufig sehr inhomogen. Bösartiges Gewebe liegt unmittelbar neben tumorfreien Anteilen. So kann es passieren, dass die Ärzte mit dieser Methode lediglich gutartige Gewebeteile treffen. Deshalb ist die Diagnose "kein Krebs" damit nicht sicher.

Ein Vorteil des Verfahrens liegt in seinen geringen Kosten. Ob allerdings ausreichend viel repräsentatives Zellmaterial gewonnen wird, hängt stark vom Können der Arzte ab, die diese Proben entnehmen. Es verlangt auch speziell geschulte Zytologen, die den Befund auswerten. Um sicher zu gehen, ob eine Frau Krebs hat oder nicht, müssen weitere Biopsien durchgeführt werden.

4.2. Die Hochgeschwindigkeitsstanze (auch Stanzbiopsie)

Im Gegensatz zur Feinnadelbiopsie entnimmt die Hochgeschwindigkeitsstanze nicht nur einzelne Zellen, sondern deutlich mehr Material. Der Vorteil liegt darin, dass die Pathologen nicht nur Veränderungen einzelner Zellen, sondern eines ganzen Gewebeverbundes nachweisen können. Damit lässt sich besser unterscheiden, ob ein Befund gut- oder bösartig ist und als wie aggressiv ein bösartiger Tumor eingestuft werden kann.

Bei der Hochgeschwindigkeitsstanze entnehmen die Arzte das Gewebe mit einer etwas dickeren Nadel unter lokaler Betäubung. Dies geschieht mit einem kleinen Gerät, das
eine Art Schuss abgibt. Zunächst wird - von außen mit Ultraschall kontrolliert - eine hohle Führungsnadel in das verdächtige Gewebe vorgeschoben. In diese führen die Arzte eine weitere, dünnere Nadel ein. Auf Knopfdruck schnellt die innere Nadel der Hochgeschwindigkeitsstanze in das Gewebe hinein und wieder heraus. Sie besitzt eine Aussparung, in der das ausgestanzte Gewebe aufgefangen wird. Dies wird mehrere Male wiederholt. Auch hier liefern die Pathologen das Ergebnis meist am nächsten Tag.

4.3. Die Vakuumbiopsie (auch stereotaktische Biopsie)

Noch aufwändiger ist die Vakuumbiopsie. Die Arzte können damit gut fünfmal so viel Gewebe wie bei der Hochgeschwindigkeitsstanze entnehmen. Die Patientin liegt auf einer Liege, die eine Öffnung besitzt, sodass die Brust nach unten hängt. Die Brust wird fixiert und geröntgt. Ein Computer errechnet, wo der Knoten bzw. die Verkalkung genau sitzen. Eine noch dickere Hohlnadel als bei der Hochgeschwindigkeitsstanze wird in den auffälligen Befund eingeführt und entnimmt Gewebe. Dieser Vorgang wird mehrere Male wiederholt und dauert etwa eine halbe Stunde. Bei der Vakuumbiopsie wird mit Unterdruck gearbeitet. Das Gerät saugt Gewebe in die Nadel. Der Vorteil dieser Methode ist, dass eine große Menge an Gewebe entnommen werden kann. Je mehr entnommen wird, desto sicherer ist die Diagnose. Der Nachteil ist, dass das Verfahren im Gegensatz zur Hochgeschwindigkeitsstanze zeitintensiver und teurer ist. Wegen der lokalen Betäubung spüren die meisten Patientinnen lediglich ein Ziehen in der Brust.

Neben den genannten Biopsien gibt es noch die Inzisions- und die Exzisionsbiopsie. Das sind offene Biopsien, die unter operativen Bedingungen durchgeführt werden. Dabei wird durch einen Schnitt in der Haut ein Teil des Knotens (Inzisionsbiopsie) oder der ganze Knoten (Exzisionsbiopsie) entfernt. Das geschieht gelegentlich unter örtlicher Betäubung, üblicherweise aber auch unter Vollnarkose. Letztere kann mit einem mehrtägigen Krankenhausaufenthalt verbunden sein. Die Exisionsbiopsie kann in die endgültige Operation übergehen, das heißt der Tumor kann dabei schon vollständig entfernt werden. Beide Eingriffe sind weniger schonend als die Biopsien ohne Hautschnitt (auch perkutane Biopsien genannt). In letzter Zeit wurden offene Biopsien immer häufiger durch perkutane ersetzt.

Nicht alle Biopsien werden unbedingt nacheinander angewandt. Einige Arzte führen die Feinnadelbiopsie beispielsweise gar nicht durch, da sie nur einen Krebsverdacht erhärten, aber letztlich keine Entwarnung geben kann. Andere Experten sehen gerade in dieser Methode eine sehr schonende und preiswerte Methode, Krebs zu beweisen. Je nach Fall einer Patientin haben die jeweiligen Methoden ihre Vor- und Nachteile. Vieles hängt auch davon ab, mit welchem Verfahren die Ärzte die meisten Erfahrungen besitzen. Hinzu kommt, dass sich nicht jede Praxis bzw. Klinik die zum Teil kostspieligen Geräte leisten kann. Für betroffene Frauen ist es deswegen ratsam, sich über die vorhandenen technischen Möglichkeiten in einer Praxis oder Klinik zu informieren.

Fazit:

In der Brustkrebsdiagnostik gibt es große Unterschiede bezüglich der Qualität der behandelnden Ärzte und ihrer technischen Ausrüstung. Deshalb ist die Wahl des Arztes oder des Brustkrebszentrums wichtig. Sie sollte sorgfältig getroffen werden. Für Patientinnen ist die Qualität eines Instituts oder der behandelnden Ärzte nicht immer leicht erkennbar. Neben den technischen Verfahren der Diagnostik ist die Erfahrung der behandelnden Ärzte entscheidend. Die betroffenen Frauen sollten nicht zögern, die Ärzte zu fragen, ob sie auf Brustkrebsdiagnostik spezialisiert sind. Zu einem gewissen Teil bleibt es für die Frauen schwierig zu erkennen, ob sie an einen guten Arzt geraten sind oder nicht. Sie sollten sich auch auf ihr Gefühl verlassen und die Praxis bzw. das Krankenhaus wechseln, wenn sie sich nicht gut behandelt fühlen oder wenn sie eine zweite Expertenmeinung hinzuziehen wollen.