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Brustkrebs Therapie


Am Anfang der Brustkrebsbehandlung steht fast immer die Brustoperation. Heute werden vier von fünf Frauen brusterhaltend operiert, eine komplette Entfernung der Brust ist nur bei einem großen Tumor nötig. Gerade bei Brustkrebs haben sich oft schon winzige Tochterzellen, so genannte Metastasen, gebildet, die auch mit modernen Diagnose-Verfahren nicht entdeckt werden können. Deshalb ist eine Nachsorge sehr wichtig. Frauen mit offensichtlichen Metastasen bekommen zusätzlich zur Operation Medikamente - welche, hängt vom Tumor ab.

Brustkrebs Therapie

Durch die Optimierung der klassischen Methoden - Operation, Bestrahlung, Chemotherapie - und mit Hilfe neuer Medikamente und Hormonbehandlungen muss die Diagnose kein Todesurteil mehr sein: Früh genug erkannt, ist Brustkrebs heute in 90 % aller Fälle heilbar. Weit mehr als die Hälfte der Patientinnen überlebt länger ab zehn Jahre.

Schulmedizinische Brusttherapien

Herceptin - Die neue Hoffnung?

Je nach Ausdehnung und Lymphknotenbefall kann eine Chemotherapie nötig werden. Für die Patientinnen, bei denen die krankhaften Zellen vermehrt den HER2-Rezeptor auf der Oberfläche tragen, gibt es nun eine neue Hoffnung: Es ist gelungen, einen Antikörper herzustellen, der genau diese Rezeptoren blockiert und damit das Wachstum der Krebszellen stoppen soll: Herceptin. Aber selbst wenn die Tumorzellen zu der Sorte gehören, die HER2-Rezeptoren besitzen, gibt es noch Unterschiede in der Ausprägung der Rezeptorenanzahl. Daher wird die Vergabe von Herceptin meist mit einer Chemotherapie kombiniert, um das überschießende Zellwachstum an verschiedenen Stellen zu stoppen.

Seit dem 30. August 2000 ist Herceptin offiziell in Deutschland zugelassen. Das Medikament könnte der Anfang eines Durchbruchs in der Brustkrebsbehandlung sein. In klinischen Studien konnte bis jetzt die Überlebensrate von Brustkrebspatientinnen um rund 40 % verbessert werden. Häufigste Nebenwirkungen sind allergische Reaktionen, die zusätzlich behandelt werden müssen. Zudem kann in der Kombination mit anderen Chemotherapien die Pumpleistung des Herzens abnehmen. Daher sind regelmäßige Herz-Kontrollen unbedingt erforderlich.

Wie wirkt Herceptin?

Herceptin dockt an die HER2-Rezeptoren an und macht sie unschädlich. Sie können das Signal "Zellen vermehren" nicht mehr aussenden. Die Substanz wird als Infusion einmal wöchentlich ambulant verabreicht und zerstört im Gegensatz zur Chemotherapie keine gesunden Zellen. Herceptin wirkt nicht nur bei wuchernden sondern auch bei ruhenden Tumorzellen. Typische Nebenwirkungen wie Haarausfall und Erbrechen treten nicht auf. Die Infusion dauert circa 90 Minuten.

Hormone

Bei einer Hormontherapie soll der Einfluss, den die körpereigenen Geschlechtshormone auf das Tumorwachstum ausüben, ausgeschaltet werden. Die Hormontherapie kann nur angewandt werden, wenn das Tumorgewebe Hormonrezeptoren enthält.

Da viele Tumore hormonabhängig wachsen, können Anti-Östrogene das Wachstum stoppen.

Das Anti-Östrogen Tamoxifen - eine Art Zwitter zwischen Antihormon und Hormon - ist sogar als vorbeugende Behandlung von "Hochrisikofrauen" zugelassen. Große Studien haben ergeben: Das Präparat kann das Brustkrebsrisiko um 45 % reduzieren. Allerdings sind Nebenwirkungen wie starke Wechseljahrsbeschwerden oder Thrombosen möglich. Auch das Risiko, an Gebärmutterkrebs zu erkranken, nimmt zu.

Das so genannte "Designer-Östrogen" Raloxifen greift ebenso wie Tamoxifen Rezeptoren an und blockiert so die fatale Wirkung, die das natürliche Hormon an Brustkrebszellen entfalten kann. Gerade im Bereich der Vorbeugung von Brustkrebs werden in Raloxifen große Hoffnungen gesetzt. Zwei amerikanischen Studien zufolge halbiert das Mittel das Risiko, an bösartigen Tumoren zu erkranken. Damit ist der Schutz ebenso groß wie bei dem als Antihormon wirkenden Präparat Tamoxifen. Es hat nach bisherigen Erkenntnissen nicht dessen Nebenwirkungen, wie die Gefahr von Gebärmutterkrebs und Blutgerinnseln.

Raloxifen wird bisher unter dem Namen Evista als Präparat gegen Osteoporose verschrieben, jedoch nicht zur Krebs-Prophylaxe.

Fazit: Die Entscheidung für oder gegen eine vorbeugende Behandlung muss sorgfältig abgewogen werden. Ob Nutzen und Schaden überwiegen, hängt sehr vom individuellen Risikoprofil ab. Die betroffene Frau sollte am besten eine zweite Arztmeinung einholen.

Anti-Angiogenese

Hierbei versuchen die Wissenschaftler, die Bildung von Blutgefäßen zu verhindern, die den Tumor während seines Wachstums mit Nährstoffen versorgen. Erfolgreich war die Anti-Angiogenese bislang aber nur in Tierversuchen. Erste klinische Studien mit Patientinnen, unter anderem in Freiburg, laufen.

Aromathasehemmer

Die neueren Aromathase-Hemmer (Substanzen, die das Wachstum östrogenabhängiger Krebszellen verhindern) blockieren ein Enzym, das der Körper zur Östrogenherstellung braucht und bremsen so indirekt das Wachstum des Tumors. Auch hoch dosierte Gestagene werden eingesetzt. Gerade im Bereich der Aromathasehemmer wird derzeit verstärkt geforscht. Es sind viele neue Mittel auf den Markt gebracht worden.

Chemotherapie

Bei der Chemotherapie verhindern chemische Substanzen, Zytostatika genannt, die Teilung oder Vermehrung der Krebszellen. Sie greifen allerdings auch gesunde Zellen an und schädigen vor allem die, die sich stark vermehren, wie zum Beispiel Haare und Knochenmark. Zytostatika führten vor allem in der Vergangenheit meist zu Nebenwirkungen, wie schweren Magen-Darm-Störungen, Haarausfall und Störungen in der Blutbildung. Da mit einer Behandlung nicht alle Krebszellen abgetötet werden, muss in mehreren Intervallen behandelt werden. Mittlerweile hat die Chemotherapie viel von ihrem Schrecken verloren. Heute gibt es besser verträgliche Zytostatika, die nicht mehr so starke Nebenwirkungen haben. Die Chemotherapie wird per Infusion verabreicht.

Hochdosischemotherapie

Sie wird bei Hochrisikopatientinnen angewandt, bei denen mehr als zehn Lymphknoten befallen sind. Dabei wird die drei- bis fünffache Menge an Wirkstoffen verabreicht. Da bei der hohen Dosierung die Blutkörper vollständig zerstört werden, werden vor der Therapie Stammzellen aus dem Rückenmark entnommen und danach wieder zugeführt. Die Hochdosischemotherapie ist jedoch umstritten, denn bislang konnte nicht nachgewiesen werden, ob sie mehr bewirkt als die normale Chemotherapie.

Wann wird die Brust amputiert?

Die totale Brustamputation wird meist dann durchgeführt, wenn der Tumor in der Brust zu groß ist (mehr als drei bis vier Zentimeter), wenn er schwer zugänglich liegt, wenn er multizentrisch oder ausfasernd wächst oder wenn er stark entzündlich ist.

Um auch bei solchen Tumoren brusterhaltend operieren zu können, wird immer häufiger eine präoperative (d.h. noch vor der Operation) Chemotherapie durchgeführt. Das geschieht oft schon bei einer Tumorgröße von etwa zwei Zentimetern. Der Tumor soll dadurch verkleinert werden. Je mehr er vor dem Eingriff schrumpft, desto besser sind die Überlebenschancen der Patientin. Man weiß dadurch auch früher, auf welche Substanz der Krebs am besten anspricht, denn die Reaktion lässt sich direkt am Tumor beobachten.

Nach der Operation wird das entnommene Tumorgewebe genau untersucht, um der Bösartigkeitsgrad, den Hormonstatus und andere Eigenschaften der Tumorzellen festzustellen. Daraus ergeben sich wichtige Informationen über das Rückfallrisiko und eventuelle weitere Behandlungen.

Das Rückfallrisiko wird nach verschiedenen Befunden beurteilt. Dabei richtet man sich unter anderem nach der Größe des Tumors (unter 1 cm niedriges, über 3 cm großes Risiko), der Zahl der befallenen Lymphknoten und den feingeweblichen Eigenarten der Krebszellen. Eine wichtige Rolle spielt die Bestimmung der Hormonrezeptoren. Falls viele davon vorhanden sind, kann eine Anti-Hormontherapie wirksam sein.

Ergänzende Brustkrebstherapien

Ein mittlerweile überwiegender Teil der Krebskranken will sich nicht mehr nur auf die Schulmedizin verlassen. Eine Mehrheit greift deshalb zusätzlich auf alternative Heilverfahren zurück. Man nennt sie auch "Therapien mit bislang unbewiesener Wirksamkeit".

Die Hyperthermie

Hyperthermie heißt "Überwärmung". Diese Behandlungsart bedeutet eine passive Erwärmung des Körpers oder von Körperteilen. Sie ist eine weitere Methode, um die Wirkung von Chemotherapie zu verbessern. Weil Krebszellen auf Hitze deutlich empfindlicher reagieren als normale Zellen, werden sie dadurch bereits geschwächt, und wenn man jetzt eine zweite krebsschädigende Methode einsetzt wie die Chemotherapie, hat man leichteres Spiel.

Die Misteltherapie

Die am häufigsten angewandte unkonventionelle Methode. Sie wird mehrfach die Woche gespritzt. Es ist nach wie vor nicht belegt, dass sie die Heilungschancen verbessert, doch Studien haben gezeigt, dass ein Inhaltsstoff der Pflanze, das Mistellektin, das Immunsystem anregt und die Lebensqualität verbessert. Da die Misteltherapie auf Dauer vor Krebs schützen soll, sollte sie (mit Pausen) lebenslang angewandt werden. Die Kosten werden von den Kassen übernommen.

Die Enzymtherapie

Sie geht davon aus, dass die Enzyme die schützende Eiweißhülle der Krebszellen zerstören und die körpereigenen Immunzellen den Tumor besser angreifen können. Sie wird in Tablettenform verabreicht. Für die Anti-Krebs-Wirkung von Enzymen gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis, vielen Patientinnen geht es nach der Enzymtherapie aber deutlich besser. Hohe Dosen Selen, Vitamin C und E werden auch von Schulmedizinern empfohlen. Sie schützen die Körperzellen vor aggressiven Sauerstoffverbindungen und können so eine bösartige Entartung verhindern.