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Früherkennung: jährlich 500 gerettete Frauen leben


Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky will ein flächendeckendes Brustkrebs-Screening „in Österreich im Jahr 2010 etabliert sehen", erklärte die VP-Ressort-chefin nach dem informellen EU-Gesundheitsministerrat in Brdo, Slowenien.

Es ist heute wissenschaftlicher Konsens, dass flächendeckendes Mammografie-Screening mit direkten Einladungen und Wiedereinladungen an Frauen ab 45 Jahren die Sterblichkeit um bis zu 30% senken kann. In Österreich wären das bei jährlich etwa 4.700 Brustkrebs-Neuerkrankungen und etwa 1.600 Todesfällen mehr als 500 gerettete Menschenleben.

Diese Daten stützen sich auf zwei jüngere Studien aus Schweden und Finnland, die erstmals eine Verringerung von Brustkrebstoten durch Screenings nachweisen konnten. Dutzende vorherige Studien konnten dies nicht. Dafür verwiesen diese Studien auf Schwachstellen: Beispielsweise ist einer von fünf entdeckten Tumoren ein „In-si-tu-Karzinom". Nach bisherigen Erfahrungen werden die meisten dieser Tumoren nie ein Problem. Ist ein solcher aber entdeckt, wird er meist aggressiv behandelt. Auch die Zahl falscher Befunde mit anschließender physischer und psychischer Belastung sei enorm.

Und um überhaupt erfolgreiche Screening-Ergebnisse zu erzielen, berichtete die Wiener Klinische Wochenschrift, müsste ein intensiver Arzt-Patientinnen-Kontakt stattfinden. Allzu oft würden aber nur die Ergebnisse der Auswertung der Mammografiebilder analysiert, die Frauen aber sonst zu wenig von Ärzten angesehen. Und auf noch einen entscheidenden Faktor macht das Fachblatt aufmerksam: Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass in der Diagnose erfahrene Radiologen wesentlich mehr Brustkrebsfälle entdecken, als weniger erfahrene.

Um eine annehmbare Qualität in der Diagnose gewährleisten zu können, müsste jeder der damit befassten Radiologen jährlich wenigsten 2.000 Befundungen machen - und zwar mithilfe modernster und bester Diagnosegeräte.

Enorme Anforderungen

International werden sogar 5.000 Befundungen gefordert. Dies würde jedoch bedeuten, dass die Mammografien auf nur wenige große Zentren konzentriert werden müssten. Viele kleinere Einrichtungen müssten sich aus Qualitätsgründen von dieser Untersuchungsmethode verabschieden. Angesichts der teuren Gerätschaften (rund 100.000 €) kann man sich vorstellen, was das für ein Schaden für die jetzigen Betreiber wäre.

Kritik am Screening gab es daher zuletzt auch vom Bundesinstitut für Gesundheitswesen: Ein österreichweites Mammografie-Screening sei nicht realisierbar, weil wesentliche Grundvoraussetzungen wie Schulung und technisch-apparative Qualitätssicherung fehlten.

Doch Kdolsky hält daran fest: „Hier haben wir mit Pilotprojekten in Wien, Tirol, dem Burgenland, Salzburg und Vorarlberg begonnen, die den EU-Anforderungen entsprechen." Sie will zweijährige Screenings für Frauen (vermutlich zwischen 50 und 69 Jahren) schon „2009 in die Budgetierung bekommen": rund 480.000 Untersuchungen für 25 Mio. € pro Jahr.

Quelle: healtheconomy, 25.April 2008