Sie sind hierDas neue Zauberwort: Phytoöstrogene

Das neue Zauberwort: Phytoöstrogene


Phytoöstrogene sind Hormone, die von Pflanzen produziert werden und die im menschlichen Körper hormonähnliche Wirkungen entfalten. Soja ist das Nahrungsmittel mit der bei weitem höchsten Konzentration an Phytoöstrogenen. An der sojahaltigen Ernährung der Asiatinnen liegt es, dass sie kaum an Wechseljahresbeschwerden leiden - in Japan gibt es nicht einmal ein Wort für "Hitzewallung". Und: Japanerinnen erkranken fünfmal seltener an Brustkrebs als Europäerinnen oder Amerikanerinnen.

Sind Phythoöstrogene eine Alternative zur Hormonersatztherapie (HET)?

Phytoöstrogene, das heißt pflanzliche Hormone, können in den Wechseljahren den körpereigenen Östrogenspiegel ausgleichen und so Wechselbeschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche zum Abklingen bringen. Phytoöstrogene schützen aber auch vor Herzkreislaufkrankheiten und Osteoporose. Darüber hinaus senken Phytoöstrogene das Brustkrebsrisiko. Sie sind daher eine natürliche Alternative zur Hormonersatztherapie, die bei langjähriger Einnahme das Brustkrebsrisiko erhöht.

Wie weit ist die Wirkung von Phytoöstrogenen wissenschaftlich erforscht?

Epidemiologische Studien an japanischen Frauen, die sich traditionell mit vielen phytoöstrogenreichen Lebensmitteln ernähren, zeigen eine deutlich geringere Brustkrebsrate. Diese Schutzwirkung der Phytoöstrogene bestätigen auch amerikanische Untersuchungen. Wissenschaftlich erforscht ist ebenso die Reduzierung von Wechselbeschwerden und die vorbeugende Wirkung gegen Osteoporose bei regelmäßigem Konsum von Sojaprodukten. Dokumentiert ist zudem die cholesterinspiegelsenkende Wirkung von Sojaprodukten.

Wie wirken die Phyto-Hormone? Warum können Sie das Brustkrebsrisiko senken?

Phytoöstrogene gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen und sind ähnlich aufgebaut wie menschliches Östrogen. Phytoöstrogene können in der Zelle den Platz der körpereigenen Östrogene einnehmen und so Schwankungen im weiblichen Hormonspiegel ausgleichen, z. B. bei Zyklusstörungen, nach der Geburt oder in den Wechseljahren.

Auf dieser Fähigkeit der Phytoöstrogene, die körpereigenen Hormone an der Zelle zu ersetzen, beruht auch ihre vorbeugende Wirkung gegen Brustkrebs. Was vielen Frauen nicht bewusst ist: Die körpereigenen Östrogene sind keine einheitliche Substanz. Man unterscheidet schwache und starke Östrogene sowie deren starke und schwache Abbauprodukte. Starke und schwache Östrogene übernehmen spezielle Schutzfunktionen, z. B. für Herz, Knochen und Gehirn.

Die starken Östrogene können jedoch parallel zu ihrer positiven Wirkung auch Brustkrebs auslösen. Starke Östrogene beschleunigen die Zellteilung, auch in den Brustzellen. Bei vermehrter Zellteilung erhöht sich auch das Risiko, dass bei diesem Prozess ein Kopierfehler auftritt. Gleicht eine neue Zelle nicht dem Original, geht die Kontrolle über die Zellteilung verloren, und eine Krebszelle ist entstanden. Schwache, körpereigene Östrogene erhöhen die Zellteilung und damit das Brustkrebsrisiko nicht.

Phytoöstrogene wirken wie schwache, körpereigene Östrogene. Sie verdrängen die aggressiven, starken Östrogene von ihrer Andockstelle an der Brustzelle und schützen so vor Brustkrebs - nicht nur in den Wechseljahren. Auch jüngere Frauen können mit einer phytoöstrogenreichen Ernährung ihr Brustkrebsrisiko senken.

In welchen Pflanzen stecken die Phytoöstrogene, und in welcher Form ist es am günstigsten, sie zu sich zu nehmen?

Die höchste Konzentration von Phytoöstrogenen (Isoflavonoiden und Lignanen) findet man in Soja und Leinsamen. Sojaprodukte wie Sojamilch, Sojajoghurt und Tofu sind die wichtigste Quelle der pflanzlichen Hormone.

Die Sojabohnen sollten allerdings nicht genmanipuliert sein und aus biologischer Landwirtschaft stammen. Leinsamen, frisch geschrotet und darum leichter verdaulich, ergänzt die Palette der phytoöstrogenreichen Lebensmittel. Geringere Mengen von Phytoöstrogenen kommen auch in Alfalfasprossen, Sonnenblumenkernen und Sesam vor. Aber selbst alle anderen Gemüse-, Obst-, Getreidesorten, Hülsenfrüchte und Nüsse enthalten Spuren pflanzlicher Hormone.

Wie findet man die richtige Dosierung?

Die individuelle Dosis orientiert sich am Abklingen der Wechselbeschwerden. Der mittlere Wert für den Tagesbedarf einer Frau ab 40 beträgt 120 mg Isoflavonoide. Das entspricht 300 ml Sojamilch oder 300 g Sojajoghurt (zwei Becher).

Können Phytoöstrogene östrogenabhängige Brusttumore ungünstig beeinflussen?

Östrogenabhängige Brusttumore werden durch Phytoöstrogene nicht ungünstig beeinflusst. Im Gegenteil, Brustkrebspatientinnen profitieren von der sanften Wirkung der Phytoöstrogene.

Die Hormontherapie bei hormonabhängigen Tumoren darf nicht mit einer Hormonersatztherapie in der Menopause verwechselt werden. Eine Hormonbehandlung bei Krebserkrankungen mit einem Anti-Hormon (z. B. mit Tamoxifen, einem wichtigen Medikament zur Brustkrebsbehandlung) kann schon bei jungen Frauen starke Wechselbeschwerden auslösen. Phytoöstrogene bringen diese Beschwerden erwiesenermaßen zum Abklingen. Auf dem Brustkrebskongress in San Antonio im Dezember 2000 wurde darum Brustkrebspatientinnen der regelmäßige Konsum von Sojamilch empfohlen.

Es gibt Phytoöstrogene nun auch in Tablettenform. Wer sollte dazu greifen? Wie verhindert man eine Überdosierung, wenn man auch sonst täglich Sojaprodukte zu sich nimmt?

Phytoöstrogene aus natürlichen Lebensmitteln sind den Phytoöstrogenen in Tablettenform vorzuziehen. Mit den oben genannten Lebensmitteln wird gleichzeitig auch ein hohes Maß an anderen sekundären Pflanzenstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen verspeist; dazu wertvolle ungesättigte Fettsäuren und gut verdauliches pflanzliches Eiweiß. Diese natürliche Mischung an Vitalstoffen fördert nachhaltig die Gesundheit und beugt Zivilisationskrankheiten vor. Eine Studie weist auch darauf hin, dass die Wirkung der Phytoöstrogene im naturbelassenen Zustand am stärksten ist. Sojamilch, Sojajoghurt und Leinsamen lassen sich leicht in den täglichen Speiseplan einbauen. Phytoöstrogen-Tabletten sollten die natürliche Zufuhr an pflanzlichen Hormonen nicht vollkommen ersetzen, sondern nur ausnahmsweise ergänzen. Nebenwirkungen einer phytoöstrogenreichen Ernährung sind nicht zu erwarten. Eine Überdosierung an Phytoöstrogenen bei täglichem Sojaverzehr und Tabletten ist bis jetzt nicht dokumentiert.

Können Phytoöstrogene in jedem Fall die Hormonersatztherapie ersetzen?

Wechseljahre sind keine lebensbedrohliche Krankheit, die sofort mit den stärksten Mitteln bekämpft werden muss. Wechselbeschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche sind zwar lästig, schädigen aber nicht die Gesundheit. Darum ist Frauen in den Wechseljahren auf jeden Fall ein Versuch mit Phytoöstrogenen zu empfehlen. Phytoöstrogen wirkt meist nach sechs bis acht Wochen. Frauen, die aufgrund einer Operation in sehr jungen Jahren die Eierstöcke verloren haben und somit keine eigenen Hormone produzieren können, sollten eine Hormonersatztherapie mit dem Gynäkologen besprechen.

Darf der Mann auch täglich Phytoöstrogene verzehren, ohne zu "verweiblichen"?

Phytoöstrogene schützen vor Prostatakrebs, der häufigsten Krebserkrankung beim Mann.

Auch Männer sind darum gut beraten, wenn sie, wie in asiatischen Ländern üblich, täglich Sojaprodukte verzehren. Ein erwachsener Mann muss nicht befürchten, dass er dadurch verweiblicht. Es gibt allerdings eine Studie über Jungen, die vorwiegend mit Sojaprodukten ernährt wurden. Bei ihnen verzögerte sich die männliche Entwicklung.

Fazit:

Frauen sollten sich nicht Hals über Kopf in eine Hormonersatztherapie stürzen. Die Wechseljahre müssen keine Schwächung der Frau bedeuten. Einerseits sinkt die Produktion der aggressiven, körpereigenen Hormone, andererseits bietet die Natur allen Frauen schützende pflanzliche Hormone, um den Östrogenspiegel abzugleichen. Mit Phytoöstrogenen aus natürlichen Lebensmitteln können sich Frauen aus einer passiven Patientinnenrolle befreien und für ihr Wohlbefinden aktiv werden.